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Daheim statt HeimIm November, zu ihrem 80. Geburtstag, war Herta R. noch topfit. Kurze Zeit später erlitt sie einen schweren Schlaganfall. Seitdem kann sie nur mit Mühe alleine stehen, das Reden bereitet ihr große Probleme und sie braucht Hilfe beim Essen. Als ihr die Familie Angebote von professionellen Pflegediensten einholte, folgte der nächste Schock. Über 6.000 Euro sollte eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Monat kosten. Eine Unterbringung im Heim schien unausweichlich.Die eigenen vier Wände verlassen zu müssen – immer mehr alten Menschen droht dieses Schicksal. Denn mit der Lebenserwartung wächst auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Zurzeit sind es rund 2,1 Millionen, 2020 werden es nach einer Studie der Universität Freiburg bereits drei Millionen sein. Mitte der 90er Jahre lebte laut Sozialverband Deutschland jeder vierte Pflegebedürftige im Heim; heute ist es bereits jeder dritte. Verantwortlich sind vor allem die Kosten. Für einen Heimplatz muss man rund 3.000 Euro im Monat aufbringen. Wer zu Hause rund um die Uhr von einem deutschen Pflegedienst betreut werden will, kommt schnell auf das Doppelte bis Dreifache. Die Pflegekasse übernimmt aber nur 1.432 Euro, in Härtefällen bis zu 1.918 Euro (ab 1. Juli 1.470 bzw. 1.750 Euro). „Für die meisten Familien ist dies unbezahlbar“, klagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie hat jetzt eine Broschüre herausgegeben (siehe Hinweis), die Orientierungshilfe im „Pflegedschungel“ leistet. Dabei werden auch Alternativen und Ergänzungen zur häuslichen Pflege aufgezeigt - zum Beispiel das Engagement von Betreuungskräften aus Osteuropa. „Ludmilla aus Polen“ oder „Svedlana aus Tschechien“ sind oft die letzte Rettung, denn sie kosten nur einen Bruchteil der hier zu Lande üblichen Sätze. Seit 2005 können Haushaltshilfen aus osteuropäischen EU-Ländern eingestellt werden. Das Gehalt muss deutschen Tarifen entsprechen. Je nach Bundesland sind das etwa 1.200 bis 1.400 Euro im Monat. Zusätzlich sind Sozialversicherungsbeiträge fällig. Wegen der komplizierten Abwicklung scheuen jedoch Viele vor dieser Möglichkeit zurück. Haupthindernis ist allerdings, dass die ausländischen Haushaltshilfen gar nicht pflegen dürfen. Falls illegale Pflege nachgewiesen wird, droht eine drastische Geldstrafe. Eine andere Möglichkeit ist es, eine ausländische Pflegekraft über einen Vermittlungsdienst zu beschäftigen. Deren Tätigkeit umfasst sowohl die Pflege als auch die Hilfe im Haushalt.
Die Kosten liegen zwischen zirka 1.400 und 1.900 Euro im Monat plus freie Verpflegung und Logis. Hinzu kommt ein Honorar für die vermittelnde Agentur in Höhe von etwa 800 Euro pro Jahr. Wenn eine Pflegestufe anerkannt wurde, kann man das entsprechende Pflegegeld zur Finanzierung verwenden. Auf die Qualität muss man allerdings selbst achten; eine zentrale Anlaufstelle gibt es nicht. Oft arbeiten die Betreuerinnen jedoch mit einem Arzt oder ambulanten Pflegedienst Hand in Hand. „Wichtig ist, dass die Betreuungsperson nicht nur kompetent und zuverlässig ist auch menschlich passt“, so Paulina Chmaryk, die mit ihrer Agentur „yourcare24.com“ mit Sitz in Wuppertal schon seit einigen Jahren Pflegekräfte vermittelt. Nach 4 – 12 Wochen macht die Betreuerin in der Regel eine längere Pause. Wenn die „Chemie“ stimmt, kommen grundsätzlich immer die gleichen Personen abwechselnd zum Einsatz. Am Anfang steht ein Hausbesuch, bei dem ein individuelles Betreuungskonzept erarbeitet wird. Dieses Angebot ist kostenlos. Um sich vor unseriösen Anbietern zu schützen, sollte man sich unbedingt den so genannten „E-101-Schein“ zeigen lassen. Aus ihm geht hervor, dass die Mitarbeiter im Heimatland sozialversichert sind. Auch Herta R. hat yourcare24 helfen können. Seit Anfang März ist Olga die „gute Seele“ im Haus. Für die ausgebildete Krankenschwester überweist die Familie 1.550 Euro pro Monat an den polnischen Pflegedienst – plus rund 150 Euro an Fahrtkosten alle acht Wochen. Der Vorteil, den Lebensabend in den eigen vier Wänden verbringen zu können, ist inklusive. Obwohl er eigentlich unbezahlbar ist.
Betreuungskräfte aus Osteuropa – Leistungen/Kosten1. HauswirtschaftskräfteHaben keine Erfahrungen in der PflegeLeistungen:
Kosten*: zirka 1.400 Euro/Monat
2. PflegekräfteHaben Erfahrungen in der Pflege, eventuell aber keine AusbildungLeistungen zusätzlich zu 1:
Kosten: zirka 1.600 Euro/Monat
3. Krankenschwestern/PflegerAusgebildete FachkräfteLeistungen zusätzlich zu 1 u. 2:
Kosten: zirka 1.900 Euro/Monat
* vorausgesetzt sind jeweils eine etwa fünfjährige Berufserfahrung und gute deutsche Sprachkenntnisse. Für einen weiteren Pflegebedürftigen im Haushalt erhöhen sich die Kosten um 200 – 300 Euro.
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